Schweden-Roadtrip 2017 – Teil 3

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich gerade im halbdunklen Raum und blicke in ein tristes, graues, verregnetes Etwas draußen. Ich muss daran denken, dass ich euch noch den nächsten Teil unseres Schweden-Trips schuldig bin. Nichts lieber als das 🙂 Denn der nun folgende Abschnitt war der schönste auf unserer Reise. Nur zu gerne lasse ich das jetzt mit euch gemeinsam Revue passieren und träume mich zurück zu angenehmen 20 Grad und Sonnenschein.

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Los geht’s…

„Prolog“ oder „Vom traumhaftesten Campingplatz unseres bisherigen Camperdaseins“

Vom Vänern aus machten wir uns auf den Weg in den Nationalpark Tiveden. Normalerweise sind wir was die Auswahl unserer Campingplätze betrifft, immer so gestrickt, dass wir vor Ort spontan schauen, wo es uns hintreibt. Dieses Mal war es etwas anders. Da wir schon einige schöne Fleckchen in Südschweden erkundet haben, hatte ich im Vorfeld bereits geschaut, wo wir denn eigentlich noch nicht waren. Dabei bin ich dann auf das zwischen Vänern und Vättern liegende Gebiet mitsamt dem Camping Tiveden gestoßen. Auf den Bildern im Internet sah das alles sehr schön aus und auch die Resonanzen auf deren Facebook-Seite waren durchweg super. Also haben wir ihn einfach mal direkt angesteuert. Und was soll ich sagen? Wir haben wirklich schon sehr viele Campingplätze in unterschiedlichen Ländern gesehen und auch lieben gelernt, aber in diesem Sommer haben wir unseren neuen Lieblingsplatz gekürt 🙂 Mitten im Wald gelegen, umgeben von vielen hohen Bäumen, mit direktem Zugang zum wunderschönen Undensee, nur einen Steinwurf entfernt vom Nationalpark und dann auch noch so liebevoll bis ins kleinste Detail gestaltet und mit Herzblut geführt – da schlugen unsere Camperherzen gleich doppelt so schnell. Die Inhaber stammen eigentlich aus den Niederlanden und haben sich mit dem Campingplatz einen Traum erfüllt. Und das merkt man wirklich egal wohin man blickt: sei es bei den eigens gestalteten, laminierten Wanderkarten, die man ausleihen kann, um das direkte Umfeld zu erkunden, die vielen Blumen, die überall auf dem Gelände zu finden sind, die Feuerstelle am See mit dem danebenstehenden Holz, das man kostenlos verwenden darf, dem kleinen campingeigenen Restaurant oder auch einfach dem immer freundlichen Lächeln auf den Lippen. Ihr merkt, ich könnte euch noch stundenlang weitervorschwärmen. Aber damit ihr versteht, was ich meine, lege ich jetzt mal mit dem los, was wir dort so erlebt haben.

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Wie wir nach und nach in den Bann des Tiveden gezogen wurden

An insgesamt drei Tagen haben wir den Tiveden unsicher gemacht. Tag 1 bestand vor allem daraus, erstmal die Lage zu checken, welche Möglichkeiten zu wandern sich uns hier bieten und einfach mal die Gegend zu erkunden. Dabei hat es uns zuerst nach Tivedstorp verschlagen. Einem Dorf mitten im Tiveden. Heute dient das Anwesen als Herberge für Wanderer und Besucher. Ein wirklich idyllischer Ort. Viele alte Holzhäuser in toller naturnaher Kulisse mit gemütlichem Freiluft-Café. Hier solltet ihr unbedingt vorbeischauen, wenn ihr in der Gegend seid. Zudem bekommt man hier viele Informationen über die Wandermöglichkeiten des Nationalparks. So beginnt bzw. endet in Tivedstorp auch eine Etappe des Bergslagsleden, einem schwedischen Weiterwanderweg – aber dazu später mehr.

Danach sind wir dann zu Vitsand, einer der Haupteinstiegsstellen für die Wanderrouten, aufgebrochen. Mitten im Wald erwartet man ja viel, aber eher keinen See mit Sandstrand. Fast ein bisschen surreal wirkt der feine, helle Sand mitten in der (wie man den Tiveden auch nennt) südlichsten Wildnis Schwedens. Auf großen Hinweistafeln findet man alle Routen, die sich durch den Tiveden schlängeln. Mit detaillierten Angaben dazu, wie lang die Strecken sind, wie der Höhenverlauf so ist und welchem Markierungszeichen man dafür folgen muss. Unsere Wahl für den nächsten Tag ist getroffen. Zuerst werden wir einen kurzen, aber steilen Trail (1,3 km) machen, der uns zur Vitsandsgrottorna führen wird. Danach werden wir den längsten hiesigen Trail (9,5 km) anschließen, der einmal rund um den ganzen See führt. Sehr gespannt und voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg zurück zum Campingplatz, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Ein Schild am campingeigenen Restaurant macht uns darauf aufmerksam, dass es heute Pommes frites gibt. Noch grübeln wir, was genau das bedeuten mag. Aber schon kurze Zeit später bietet sich uns folgendes Schauspiel: Einer nach dem anderen rüstet sich mit großen Schüsseln oder Töpfen und macht sich auf den Weg zur Pommesausgabestation. Größtenteils haben die Männer das Vergnügen diese wichtige Aufgabe zu erledigen. Und so kehren sie nach und nach alle wieder mit ihren prall gefüllten Gefäßen zurück. Innerhalb kürzester Zeit sind alle mit Essen beschäftigt. So etwas haben wir noch nie erlebt. Ein ganzer Campingplatz im Pommeswahn 🙂 Jaaaa… auch wir haben uns eine Portion gegönnt. So cool fanden wir die Idee irgendwie. Und sind wir mal ehrlich, wer kann da schon wiederstehen, wenn immer mal wieder von den Nachbarplätzen eine so verführerische Duftwolke herüberzieht 🙂

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Nach dem Essen, als langsam die Dämmerung einsetzt, sich der Himmel mit den schönsten rot und lila Tönen schmückt, sind wir nochmal Richtung See aufgebrochen und wurden mit atemberaubenden Anblicken belohnt. Es gibt nichts Schöneres und Beruhigenderes als dort am Steg zu sitzen und dabei zuzusehen, wie sich der Himmel nach und nach verfärbt. Sich ganz bewusst, das laue Lüftchen um die Nase pusten zu lassen und ein Lagerfeuer anzuzünden. Bis spät in die Nacht haben wir dort gesessen – alle anderen waren schon lange in ihre Schlafsäcke oder Betten gekrochen – und haben unsere Blicke immer wieder zwischen dem knisternden Feuer und dem wunderschönen Panorama hin- und herschweifen lassen. In solchen Momenten dieser tiefen, inneren Zufriedenheit fragt man sich, warum man nicht einfach dortbleibt. Tja, uns ist eigentlich kein allzu guter Hinderungsgrund eingefallen 🙂

Bergauf und -ab im Reich der Trolle

Die Sonne weckt uns am nächsten Tag recht früh, indem sie unser Zelt erst angenehm, dann irgendwann fast unerträglich erhitzt. Fast so als ob sie uns sagen wollte, dass wir endlich aufstehen sollen, weil es doch unendlich viel zu entdecken gibt. Wo sie recht hat, hat sie recht 🙂 Nach einem kurzen Frühstück geht es los: Rucksack mit Proviant packen, ins Wanderoutfit springen, Kameratasche checken. An alles gedacht? Ja! Na dann los. Wir fahren wieder zur Einstiegsstelle Vitsands und verfolgen unseren Routenplan wie gestern beschlossen. Die kurze Route führt uns teils steil bergauf über größere und kleinere Felsbrocken, unter umgefallenen Bäumen hindurch. Eine kleine Abenteuerroute, die uns eindrucksvoll vor Augen führt, warum man hier immer wieder von Wildnis und Trollen spricht. Dieser ganze Schauplatz hat wirklich etwas Mystisches an sich. Nachdem wir „ganz oben“ angekommen sind, geht es wieder bergab. Tolle Ausblicke wechseln sich mit Staunen über die riesigen Felsbrocken und deren „Entstehungsweg“ ab.

Wieder am Ausgangspunkt angekommen, starten wir direkt von Ort und Stelle unsere Route rund um den See. Immer wieder ein bisschen bergauf und bergab führt dieser Weg in weiten Stücken direkt am See entlang. Manchmal entfernt er sich wieder etwas, führt uns tief in die Wälder hinein. Doch immer wieder kommen wir wieder zum See zurück. Wir sind meist auf schmalen Trampelpfaden unterwegs, aber ab und zu auch auf bereiteren Forstwegen. Manchmal läuft man auch auf den großen Felsbrocken entlang oder lässt große Höhenunterschiede über Holztreppen zurück. Aber in jedem Fall immer gut geführt und begleitet von den Markierungszeichen, die als Banderole um die Bäume gebunden sind. Verlaufen kann man sich hier definitiv nicht 🙂 Insgesamt ist die Strecke ein wirklich sehr schöner, abwechslungsreicher Weg, der an einigen Stellen andere Wanderwege kreuzt, sodass man die Tour nach Belieben ausbauen kann.

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Ein wirklich sehr schöner Wandertag, den wir mit einem Bad im Undensee beenden. Okay… ich gebe es zu – ich war nur bis zur Hüfte drin. Denn das Wasser war so kalt, dass man das Gefühl von tausend Nadelstichen hatte. Ich liebe es ja, in wirklich kühlem Wasser zu baden, aber das war mir ein bisschen zu kalt 🙂 Beim nächsten Mal werde ich es trotzdem wieder versuchen.

Auf den Geschmack gekommen und das Herz verloren

Tag 3 stand im Zeichen des Bergslagsleden. Wie ich euch schon erzählt habe, ist das ein Weitwanderweg. In insgesamt 17 Etappen führt er mit 280 km von Kloten bis Stenkällegården. Er ist Schwedens längster Flachwanderweg. Wir laufen seine letzte Etappe von Tivedstorp nach Stenkällegården. Die Strecke beträgt 12 km. Da wir aber wieder zu unserem Auto zurück mussten, sind wir auf anderer Strecke den Weg zu unserem Ausgangspunkt zurückgelaufen und hatten dadurch eine Gesamtstrecke von 23 km.

Los ging es vorbei an saftig grünen Wiesen und typisch schwedischen roten Holzhäusern. Bereits nach kurzer Zeit tritt man ein in das Reich des Waldes. Zwischen hohen Bäumen und einer endlos scheinenden Decke aus Heidelbeersträuchern führt stets ein schmaler Weg, dem man immer wieder auf und ab und auf und ab folgt. Mal durchquert man eine Lichtung, mal kommt man an einem schimmernden See vorbei, mal muss man über einen Holzsteg das unter einem liegende Moor überqueren, mal geht es über kleinere Felsabschnitte hoch und wieder runter, mal kommt man an einer Raststätte mit Übernachtungsmöglichkeit vorbei. Und auch hier immer gut geführt von den Holzwegweisern auf denen sich das Bergslagsleden-Wandersymbol befindet. Ich habe euch ja schon mal verraten, dass ich es liebe nach reifen Heidelbeeren am Wegesrand Ausschau zu halten. Sagen wir mal so: die Strecke war sehr ergiebig 🙂

Kurz vor Ende der Strecke führt der Weg dann für einen Moment auf einen breiten Forstweg, bevor es dann wieder in den Wald geht und man kurz darauf durch unzählige Farne wandert. Und dann sind wir auch schon am Ziel angekommen. Der Wald endet an dieser Stelle und gibt den Blick auf einen wunderschönen See und grüne Wiesen frei.

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Hier kann man im Winter Skifahren. Im Sommer bietet ein Campingplatz die Möglichkeit, sich mit Kaltgetränken des Shops zu erfrischen. Was wir natürlich glatt wahrnehmen,  bevor wir uns auf den Rückweg machen. Weil wir nicht auf der gleichen Strecke zurücklaufen wollen, entscheiden wir uns dazu, der Straße zu folgen. Das machen wir eigentlich nicht ganz so gerne, aber hier kann man es echt empfehlen. Landschaftlich hat sich das wirklich gelohnt. Und weil hier nicht viel Verkehr ist, stört es auch nicht, wenn dann doch mal ein Autofahrer oder eine kleine lustige Raupe vorbeikommt.

Bisher hatte ich die Vorschläge meines Mannes, doch mal eine mehrtägige Wandertour zu machen, ja immer abgewiesen, aber ich muss sagen, ich glaube durch diese Strecke bin ich echt auf den Geschmack gekommen. Mal schauen, was das nächste Jahr uns so bringen wird.

Diesen wunderschönen Tag haben wir im Restaurant des Campingplatzes ausklingen lassen. Eine kleine aber feine Karte bietet so manche schwedische Leckerei. Doch damit nicht genug. Den Tag konnten wir (obwohl das echt schwer war) noch besser machen. Denn auf dem Campingplatz hat man die Möglichkeit eine Fasssauna zu mieten. In einer kleinen, abgeschirmten Lichtung ist neben der Sauna noch ein liebevoll ausgestatteter Ruhe- und Erfrischungsbereich angelegt. Und man hat sogar die Möglichkeit direkt in den kühlen See zu springen. So aufgeheizt ging das auch echt gut und hat sich gar nicht mehr so kalt angefühlt wie am Nachmittag zuvor 🙂 Einfach ein Traum… in der mit Holz beheizten Sauna zu sitzen, in die schöne Natur zu schauen und dann in den See zu springen oder sich unter dem Holzeimer Abkühlung zu verschaffen. So kann man es aushalten.

Ein weiterer Punkt, der es schwermacht, Gründe zu finden, warum man diesen himmlischen Ort jemals wieder verlassen sollte. Und da wir dann noch so einen bezaubernden Sonnenuntergang geboten bekommen haben, war das Glück an diesem Tag einfach vollends auf unserer Seite.

Jenseits von Wäldern, Wanderungen und Trollen

An Tag 4 haben wir einen Ausflug ins ca. 30 km entfernte Karlsborg gemacht. Schon bei unserer Ankunft haben wir gleich das Schauspiel mitbekommen, dass sich vor uns die Straße hochklappte, um die Schiffe auf dem Götakanal hindurch zu lassen. Das hat schon echt was, wenn sich die gesamte Straße vor dir um 90 Grad senkrecht nach oben klappt.

Zu Fuß haben wir dann noch das riesige Gelände der dortigen Festung erkundet. Von einer Mauer umrundet beherbergt sie im Innern Wohnungen, Geschäfte, Werkstätten und sogar ein Krankenhaus.

Aber auch am Ufer des Vättern lässt sich ein schöner Spaziergang machen.

Den restlichen Tag haben wir dann ganz entspannt und mit viel Ruhe ausklingen lassen 🙂 bevor wir uns am nächsten Tag (ganz ausgesprochen) schweren Herzens auf den Weg gemacht haben, unsere nächste Station zu erreichen.

(An dieser Stelle habe ich euch bisher immer verraten, wo es uns in Folge hin verschlagen hat. Da es aber eine wahre Odyssee war, muss ich euch davon in aller Ruhe im nächsten Abschnitt berichten…)

3 Gedanken zu „Schweden-Roadtrip 2017 – Teil 3

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